Zweierlei Maßstäbe, und wie Schlaglöcher da reinpassen

Gelobt sei die deutsche Bürokratie – da weiß offenbar so manches Ministerium einer Landesregierung nicht, was ein anderes macht. Flughafen-Finanzierungskonzepte brummen durch die Gegend wie bösartige Sportflieger im Tiefflug, dabei ist die Lösung doch so einfach.

Wie breit berichtet wurde, hat Bürgermeister Saxe mit seinem sogenannten „Take-off-Konzept“ für den Flughafen vom Kieler Wirtschaftsminister zwar ein paar nette (kostenlose) Worte erhalten – in der Sache lautete die Botschaft aber eher „Setzen, Fünf.“

Vollkommen zu Recht verlangt das Wirtschaftsministerium vom Bürgermeister, seine Hausaufgaben fast komplett neu zu machen. Da müsse ein ordentlicher Geschäftsplan her, der nicht nur auf feuchten Träumen beruht, sondern auch den schlechtesten zu erwartenden Fall berücksichtigt.

Zudem wird eine realistische (aha!) Prognose der Passagierzahlen gefordert, außerdem ein genauer Investitionsplan und eine schriftliche Garantie von Ryanair, daß in Lübeck Flugzeuge überhaupt stationiert werden.

Forderungen nach einer Beteiligung des Landes am Flughafen wurden genauso abgeschmettert wie des Bürgermeisters Idee, die Landesregierung möge für „hoheitliche Aufgaben“ zahlen. Darunter versteht er „Sicherheit, Wetterdienst, Enteisung“ – gemeint ist natürlich nur der Flughafen, und das, obwohl die Hansestadt derzeit nicht mal in der Lage ist, ihre eigenen Straßen halbwegs sicher und eisfrei zu halten! (Die Höflichkeit verbietet es, hier rund ein Dutzend Ausrufezeichen zu setzen.)

So weit, so gut. Dieses Augenmaß hätte man ebenso dem Innenministerium als Kommunalaufsicht gewünscht, die das Bürgerbegehren trotz eines Finanzierungsvorschlags genehmigt hat, der ungefähr so seriös ist wie die Idee, 10 000 Lose der Glücksspirale zu kaufen.

Dabei geht es doch wesentlich einfacher, und man kriegt sämtliche Probleme auf einen Schlag (bzw. per Schlagloch) gelöst.

  • Phase 1: die Bürgeraktion „Wir brechen unsere Knochen für den Flughafen.“ Lübeck verzichtet zwecks Finanzierung des Flughafens trotz gewisser, allerdings vernachlässigbarer gesundheitlicher Risiken freiwillig auf die letzten Reste seines Winterräumdienstes – und wer sich dann immer noch nichts gebrochen hat, tritt freiwillig zur ehrenamtlichen Erfüllung hoheitlicher Aufgaben (Schneeschippen) auf dem Flugplatz an.
  • Phase 2: Wie die Lübecker Straßen nach diesem Winter aussehen werden, kann man sich vorstellen. Die Bürgeraktion „Wir adoptieren ein Schlagloch“, die im Frühjahr anläuft, erfüllt einen doppelten Zweck: Lübecker greifen zur Eigeninitiative und verfüllen Schlaglöcher ganz einfach selbst (grober Kies reicht), anstatt nach dem Staat oder der Stadt zu rufen. Außerdem spendet jeder Bürger pro selbst repariertem Schlagloch ein Notopfer in Höhe von €10, das garantiert ohne jeden Abzug an Ryanair den Flughafen überwiesen wird. Da kommen Millionen zusammen.

Jede Wette, das Innenministerium würde das als Finanzierungsvorschlag akzeptieren.