Dr. Steppe, die Segelflieger und die Sicherheit

Die Frage, wo eigentlich die Segelflieger des Aero Club von Lübeck (ACvL) abgeblieben sind, ist inzwischen beantwortet: in Wahlstedt bei Bad Segeberg. So berichteten es die Lübecker Nachrichten am 26./27. April, z.B. in der Druckausgabe, Lübecker Lokalteil, Seite 17 („Segeberger geben Aero Club Lübeck Segel-Asyl“). Leider entgeht den Lübecker Lesern der Hauptspaß, denn der Artikel ist lediglich eine gekürzte Übernahme aus dem Lokalteil Bad Segeberg („Segeberger Asyl für Lübecks Segelflieger“). Und im dortigen Artikel, den mir netterweise eine Leserin zugeschickt hat, findet sich das Knaller-Zitat… und von wem anders könnte es wohl stammen als vom allseits beliebten Flughafen-Co-Geschäftsführer Dr. Peter Josef Steppe?

Offensichtlich ist die Strategie, die Segelflieger zu vergrätzen wie lästige Tauben, aufgegangen. Was in der Segeberger Version steht, nicht aber in der Lübecker:

Der neue [Flughafen-]Betreiber PuRen Germany … wolle die Segelflieger loswerden, sind sich die Aero-Club-Mitglieder sicher.

Lübecker Nachrichten, 26./27. April, Bad Segeberger Lokalteil

Zunächst geht es fast wörtlich im Gleichklang weiter:

So wurden unlängst Hallen, Vereinsheim, Werkstatt- und Schulungsräume der Segelflieger durch einen einfachen Bauzaun zum sensiblen Sicherheitsbereich erklärt. Das bedeutet unter anderem, dass der Schleppflieger an jedem Flugtag zerlegt, mit einem Sattelschlepper vom Vereinsgelände geholt und vier Kilometer zum nördlichen Eingang des Flugfeldes kutschiert werden müsste, um zur Grasbahn, die gleich um die Ecke des Clubs liegt, zu gelangen. Reine Schikane, sind sich Schöch und Vereinskollege Florian Mösch aus dem Vorstand sicher.

Der letzte Satz fehlt aber wieder in der Lübecker Version. Es wäre übrigens interessant zu erfahren, ob nicht die Flugzeuge der noch anzusiedelnden kommerziellen Flugschule, die dort anstelle der Segelflieger untergebracht werden sollen, nicht einem ähnlichen Prozedere unterzogen werden müßten.

Die Antwort des Herrn Dr. Steppe unterschlägt die gekürzte Lübecker Version ebenfalls.

Dem widerspricht Dr. Peter Steppe, der Markus Matthießen in der Airport-Geschäftsführung abgelöst hat. „Zum 1. April ist ein neuer Luftsicherheitsplan in Kraft getreten“, kontert er. Dabei gehe es vor allem um strengere Kontrollen. Den habe man zwar selbst ausgearbeitet. „Aber so wie bisher, war er nicht genehmigungsfähig“, betont Steppe. „Ich kann dem Club nicht helfen, ich mache die Vorschriften nicht.“

Ja, so kennen und so lieben wir ihn, unseren Dr. Steppe. Man sieht, er ist ganz der alte. Der, dessen Stempel unter praktisch jeder Planzeichnung im ersten Planfeststellungsverfahren prangte, das gerichtlich bereits nach oberflächlicher Durchsicht aufgrund erheblicher Mängel in die Tonne getreten wurde, und das vermutlich nicht, weil sich der Antrag an Vorschriften und Gesetze gehalten hat.

Der Dr. Steppe, der den Flughafen als Geschäftsführer finanziell mit Vollgas an die Wand gefahren hat, so daß er erst auf Probe für wenig Geld verkauft, und als das schiefging verschenkt werden mußte. (Der Flughafen, nicht der Geschäftsführer.)

Es trifft ihn sicher keine Alleinschuld. Die Politik hat ihn gewähren lassen und nicht nur die Verluste übernommen, sondern auch immer neue Millionen für immer neue unsinnige Maßnahmen bewilligt bekommen.

Sicherheit? Gnihihi…

Aber zurück in die Gegenwart. Wie ernst nimmt es Herr Dr. Steppe, der alte und neue Geschäftsführer der Landewiese, denn wirklich mit Sicherheitsvorschriften? Mir liegt (aus zwei unabhängigen Quellen) ein Schreiben der Luftsicherheitsbehörde Schleswig-Holstein an den Flughafen vor, in dem es unter dem Datum 12. November 2014 heißt:

[w]ie bereits in mehreren Fachaufsichten durch die Luftsicherheitsbehörde Schleswig Holstein festgestellt, ist die Einfriedung sowie Instandhaltung und die damit verbundenen Kontrollen der Zaunanlage am Flughafen Lübeck mangelhaft. Durch den von Ihnen angelegten „Bestreifungsweg“ sind weder bauliche noch sicherheitsrelevante Abläufe sicherzustellen.

Tja, eben. Was für ein Bestreifungsweg, fragte ich mich – ich habe nie einen ausmachen können. Ach, die paar Reifenspuren auf der Luftseite im Gras entlang des Zaunes, die von gelegentlichen Autofahrten zeugen? Kein Wunder, daß der Absender „Bestreifungsweg“ in Anführungszeichen setzt.

Das Schreiben, ich gebe es zu, ist äußerst merkwürdig. Es strotzt von Fehlern, setzt eine offenbar unsinnige Frist von acht Tagen:

hiermit fordere ich Sie letztmalig auf mir bis zum 20.November 2014 einen gemäß § 8 Abs 1 LuftSig [Luftsicherheitsgesetz] i.V.m VO (EG) 300/2008 Artikel 4 Abs. f nach den Vorgaben ICAO Doc 8973/8 Kolonnen bzw. Bestreifungsweg auf der Luftseite des Flughafens Lübeck nachzuweisen

und vergißt trotzdem doch glatt (völlig untypisch für Behörden!) zu erwähnen, daß ein Verstoß gegen die Vorschriften des Luftsicherheitsgesetzes oder die Mißachtung auf Grundlage des Gesetzes ergangener Anordnungen mit einem Bußgeld von bis zu 25 000 Euro geahndet werden kann.

Natürlich ist von einem Bestreifungsweg, der den Anforderungen (jederzeit befahrbar, entwässert) entspricht, nach wie vor nichts zu sehen. Was geht da vor? Für mich sieht es so aus, als ob die Luftsicherheitsbehörde hier lediglich pro forma gemahnt hat, weil man es ja irgendwie muß. Ein echtes Interesse scheint nicht zu bestehen; das Schreiben erweckt den Eindruck, als hätte es ein Volontär kurz vor Feierabend auf dem Smartphone verfaßt.

Das Problem als solches ist aber bekannt. Schon der Herr Bürgermeister hat in einem seiner Take-Off-Konzepte zur Rettung der Landewiese Bedarf angemeldet (das war 2010):

TD€ 200 für die gemäß Luftsicherheitsbehörde erforderliche Einrichtung eines neuen Bestreifungsweges entlang des Flughafenzaunes. Diese Maßnahme ist erforderlich weil eine tägliche Kontrolle des Sicherheitszaunes direkt am Zaun erforderlich ist, um Schäden sowie Übersteigungen und Untergrabungen sofort feststellen und beheben zu können.

Und Ende 2010 hieß es von Seiten des damaligen Aufsichtsrats der Flughafen Lübeck GmbH:

Hinsichtlich des von der Luftaufsichtsbehörde geforderten Bestreifungsweges wurde eine Unterredung mit den Behördenvertretern Anfang 2011 angeregt.

HL-live, 14. Dezember 2010

Bislang ist nichts passiert. Komisch, nicht? Aber die Segelflieger werden – zack, zack – in einen Hochsicherheitstrakt gepackt. Das riecht doch arg nach selektivem Vorgehen.

4 Gedanken zu „Dr. Steppe, die Segelflieger und die Sicherheit“

  1. Um zukunftsweisende Entscheidungen im Sinne der Mitmenschlichkeit zu treffen, sollte man das gesamte Flughafengelände den Menschen aus Krisengebieten zur Verfügung stellen, indem man ihnen hier ihre Unterbringung ermöglicht. Das ist sicher so arrangieren, dass den Segelfliegern trotzdem ihre Nutzung dieses Flugplatzes erhalten bleibt.
    Angesichts der Gesamtlage ist es einfach nur noch peinlich private Fluglizenzen an wohlhabende Bürger aus dem Reich der Mitte zu verteilen, anstatt sich der Bedürftigkeit vieler Menschen anzunehmen.

    1. Dann ist es ja wirklich sehr gut, dass der Flughafen Lübeck nicht per Flüchtlingsschiff zu erreichen ist. Was wohl passieren würde, wenn chinesische Investoren in Deutschland mit maximalpigmentierten Flüchtlingen konfrontiert würden?

      Obwohl, das wäre doch eigentlich eine gute Idee für die nächste Investition – ein Stichkanal von der Trave zum Flughafen, um die chinesischen Waren aus den vielen Frachtflügen direkt in Schiffe umzuladen und dazu noch ein Anleger für Ausflugsboote mit Hefeantrieb für die vielen Medizintouristen. Strassentechnisch könnte man das dann mit dem neuen mautpflichtigen Frauentunnel an die Fehmarnbeltquerung anschliessen, damit jeder Eurocent auch möglichst schnell nicht in Lübeck bleibt.

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