Showdown am 10. Juli?

Hand aufs Herz: Glauben Sie den Versprechungen der meisten Politiker, die Flughafenverschenkung von Ende 2012 sei die letzte Chance für die Landewiese gewesen, und die Stadt könne sie unmöglich selbst betreiben? Die Damen und Herren werden sich demnächst vielleicht an ihren früheren Äußerungen messen lassen müssen. Denn laut einem „Plan B“ der Verwaltung für den Fall, daß sich kein Investor findet, soll es genau so kommen: die Stadt soll den Flughafen (offenbar auf unbestimmte Zeit) wieder übernehmen und dafür noch eine Million Euro pro Jahr zahlen. Die Stadt hat’s ja.

Wohl auf jeden Fall wird es am 10. Juli eine Sondersitzung der Bürgerschaft geben.

Dort könnte dann ein Vertrag mit dem neuen Investor geschlossen werden. Das ist notwendig, weil der Stadt immer noch die Grundstücke und die Betriebsflächen gehören.

HL-Live, 24. Juni 2014

Wie die Chancen dafür stehen, ist unklar. Und was das kostet, ebensowenig:

[F]alls der neue Investor auf den Planfeststellungsbeschluss zum Ausbau verzichtet, muss Lübeck bis zu 4,7 Millionen Euro an Fördermitteln vom Land zurückzahlen.

Lübeck, nicht der Investor! Wenn der auch nur halbwegs bei Sinnen ist, verzichtet er natürlich auf den völlig unsinnigen Ausbau, der ihn mindestens 60 Mio. Euro kosten würde und keinen anderen Zweck hatte, als Ryanair gnädig zu stimmen – die Fluggesellschaft also, die sich gerade eben erst aus Lübeck verabschiedet hat. Doch auf die Reinhardt-Millionen (5,5) wird er kaum verzichten wollen. Da kommt man locker auf 10 Mio. insgesamt, die von der Stadt zu zahlen wären. (Wie gesagt, dieser Bonus war nicht an den Ausbau per se gekoppelt, sondern an „Maßnahmen zum Erhalt der Betriebsgenehmigung, zur Umsetzung des Planfeststellungsbeschlusses 2009 und der Mediationsvereinbarung.“)

Plan 9 aus dem Weltall

Wenn der Investor nicht kommt, erweckt man einfach eine inaktive Zombie-Tochtergesellschaft der Flughafen Lübeck GmbH, die in den Räumen der KWL in der Falkenstraße 11 domizilierende FLG Service GmbH, zu neuem Leben – als Betreiberin der Landewiese. Das ist, obwohl man es nicht öffentlich sagt, das Modell Holtenau.

Wozu?

Damit bliebe Blankensee als „Ausbaureserve und Ausweichmöglichkeit“ für die Metropolregion erhalten.

Was für ein elendes Geschwampfe. Zunächst mal: wie heißt die Metropole dieser Metropolregion? Lübeck? Eher nicht. Hamburg? Könnte sein. Sollten sich dann nicht Hamburg und der dortige Flughafen um so etwas kümmern?

Wie immer hier das Standard-Strafzitat:

Beim Hamburger Flughafen sieht man das etwas anders. “Wir brauchen den Lübecker Flughafen nicht“, sagt Matthias Quaritsch, der Chef der Unternehmenskommunikation.

Hamburger Abendblatt, 23. April 2014 (Hervorhebung P.K.)

Und dafür sollen wir eine Mio. Euro pro Jahr zahlen? Wir können besser planen als die doofen Hamburger und wissen, was gut für sie ist, und bezahlen es auch noch?. Hallo?!

Geschickt wird getrickst und vernebelt, um den Weiterbetrieb der hiesigen Landewiese schönzurechnen und eine Schließung als große Katastrophe darzustellen. So heißt es beispielsweise unter dem Punkt Weiterbetrieb durch die Stadt:

Ein Verkauf der Flächen nördlich der Blankenseer Straße würde aber bereits einen Erlös von vier Millionen Euro erbringen.

Das würde er jedoch auch im Falle einer Schließung der Landewiese. Die Betriebsfläche an sich brächte dann angeblich 8,6 Mio. Euro ein. Da wären wir schon bei 12,6 Mio. Mit eingespartem Reinhardt-Bonus wären das schon 18,1 Mio. Euro.

Des Bürgermeisters Zauberknüppel

Der Knüppel auf den Kopf sind natürlich angebliche „bis zu“ (!) 33,8 Mio. Euro, die die Stadt für den Rückbau im Falle einer Schließung zu zahlen hätte. Mag sein, daß ein besenrein übergebenes Flughafengelände tatsächlich derartige Kosten verursachen würde.

Nur ist die Frage: wer will das? Ist das überhaupt nötig? Und muß die Stadt das bezahlen? Auf welcher gesetzlichen Grundlage?

Weil angeblich Teile der Fläche Naturschutzzwecken anheimfallen würden? Dann fragen Sie doch mal Naturschützer, ob die ein plötzlich völlig gereinigtes Gelände haben wollen oder einen natürlichen Verfall der vorhandenen Infrastruktur (wie im bestehenden Naturschutzgebiet rund um den Flughafen – da wurde auch nichts rückgebaut).

Die 220 ha Betriebsfläche bestehen im wesentlichen aus Gras. Größere Aufbauten sind lediglich die Start- und Landebahn, die sich jedoch relativ leicht wegknacken und recyclen ließe, wobei noch Einnahmen anfielen. Und natürlich die eigentlichen Flughafengebäude, die größtenteils der insolventen Yasmina Flughafenmanagement gehören. Wäre die Stadt in der Pflicht, diese Gebäude, die ihr gar nicht gehören, abzubauen? Ohnehin gehören sie zur Insolvenzmasse der Yasmina.

Ich hoffe, diese Fragen werden bis zum 10. Juli gestellt und dann beantwortet werden. Ohne diese zweifelhafte, weil im Moment nicht detailliert nachgewiesene Zahl von 33,8 Mio. Rückbaukosten wäre die Entscheidung sehr einfach. Ist die Verwaltung nicht in der Lage, diese Kosten sofort glaubwürdig darzustellen, gibt es nur eine Alternative: dichtmachen statt weiterwursteln.

3 Gedanken zu „Showdown am 10. Juli?“

  1. Sie wollen hier allen Ernstes vorschlagen ein Gelände, dass seit 1916 als Flugplatz genutzt wurde, nicht zu dekontaminierten? Was ist denn aus dem latenten Ökoterrorismus in Lübeck geworden? Natürlich wird im Falle der Schliessung des Flughafengeländes und der Umwidmung zu einer anderen Nutzung eine gesetzliche Pflicht zur Wiederherstellung eines unbelasteten Zustands bestehen und dies wird die Stadt als Eigentümer des Geländes treffen. Ich vermute einmal stark, dass bei der Interessenlage und der Verschreckheit aller Beteiligten die avisierten 33.8 Mio Euro kaum für das notwendige Umweltbelastungsgutachten reichen und damit schon in der Bestandsaufnahme verbraten werden. Bei der Größe des Geländes wird die eigentliche Renaturierung sicherlich noch deutlich teurer werden.

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