Und ewig grüßt das Instrumentenlandesystem

HL-Live berichtete, daß der Herr Bürgermeister am 6. März 2014 „außerplanmäßig“ 21.712,11 Euro bewilligte, um die Schlußrechnung für das neue Instrumentenlandesystem zu bezahlen. Ich spekulierte daraufhin, die Stadt habe möglicherweise (warum auch immer) eine Rechnung bezahlt, die eigentlich die Yasmina Flughafenmanagement zu begleichen gehabt hätte. Ein Leser wies mich freundlicherweise darauf hin, daß das nicht unbedingt der Fall sein muß.

Es könnte sich bei der Rechnung durchaus noch um eine „Altlast“ der Flughafen Lübeck GmbH gehandelt haben, die tatsächlich von der Stadt zu begleichen war. Die Nachfolgerin der FLG, Yasmina, habe vermutlich nur das „fertige“ ILS gemietet; die Fertigstellung sei eine Sache der FLG bzw. der Stadt gewesen. Fertig im Sinne von betriebsbereit und genehmigt war das ILS Cat. II Anfang Februar 2014, was gut zum Datum der Zahlungsbewilligung paßt.

Das ist natürlich auch eine Erklärungsmöglichkeit. Ohne genaue Kenntnis des Mietvertrags läßt sich die Sache vermutlich nicht aufklären, aber der ist ja streng geheim.

Dauerbrenner ILS

Festzuhalten bleibt, daß die Zahlung außerplanmäßig war und mit den jahrelangen Problemen bei der Inbetriebnahme des ILS Cat. II zusammenhängen dürfte. Es wäre also interessant, einmal zu fragen, was das neue ILS die Stadt unterm Strich gekostet hat, vom ersten Spatenstich im August 2011 bis zur Inbetriebnahme – immerhin ein Zeitraum von zweieinhalb Jahren.

Sollte ferner die Annahme zutreffen, daß die Stadt sämtliche Kosten bis zur Inbetriebnahme zu begleichen hatte, dürfte das auch auf die teuren ILS Kalibrierungsflüge zutreffen, wie sie z.B. im März 2013 durchgeführt wurden.

Im Rahmen der Flughafenverschenkung mußte die Stadt zugeben, daß ein

Betrag von 550.000 € zur Liquiditätssicherung … u.a. durch einen Planungsfehler verursacht [wurde], in dem u.a. Investitionen zum ILS Cat II nicht vollständig abgebildet worden sind […]

Aufnahme vom 27. März 2013
Aufnahme vom 27. März 2013

Dann würde umso mehr gelten, was HL-Live beklagte:

Auch die Zusicherung der Politik, dass mit der Privatisierung kein Steuergeld mehr in den Flughafen fließt, hat sich nicht erfüllt.

HL-Live, 28. April 2014

Bislang letztmalig fanden die Flüge am 7. April 2014 statt, und in diesem Fall dürfte klar sein, daß sie die Yasmina zu bezahlen hat. Sollten die Flüge nicht per Vorkasse bezahlt worden sein, kann man also davon ausgehen, daß die Firma Cobham zu den Gläubigern der Yasmina gehört.

Spekulatius

Sollte, wäre, dürfte, könnte. Spekulationen halt, und mit denen kann man auch mal daneben liegen. Das liegt in der Natur der Sache und ist, pardon, nicht meine Schuld. Ich finde, die Stadt ist ihren Bürgern volle Rechenschaft schuldig über die Geschäfte, die sie tätigt – auch mit Privatleuten bzw. -firmen. (Sind die damit nicht einverstanden, sollen sie eben keine Geschäfte mit der Stadt machen, Punkt.)

Aber es ist noch viel schlimmer. Oft sind diese Privatfirmen zu 100% im Besitz der Stadt, wie seinerzeit die Flughafen Lübeck GmbH, und man hat den Eindruck, daß sie vornehmlich zu dem Zweck eingerichtet wurden, um unter dem Hinweis auf das Geschäftsgeheimnis Auskünfte verweigern zu können, die man anderenfalls hätte erteilen müssen. Obwohl es sich de facto um Geschäfte handelt, die die Stadt mit sich selbst abschließt.

Diese skandalöse Intransparenz führt natürlich zwangsläufig dazu, daß Spekulationen ins Kraut schießen. Und im Falle der Landewiese auch zu dem, was der Herr Bürgermeister mit seinem Handeln eigentlich verhindern wollte: der Flughafen ist jetzt bundesweit im Gerede, und schon in 60 Kilometern Entfernung – in Hamburg – bis hin nach Österreich schüttelt man nur noch die Köpfe. Ein einziges PR-Desaster.

Kungeln, verschweigen, schönreden, unter den Teppich kehren, Ausgaben trickreich verstecken, ebenso nichtssagende wie dummdreiste Antworten auf Anfragen – das hat vielleicht jahr(zehnt)elang geklappt. Heute läuft dieses Geschäftsmodell nicht mehr rund. Vielleicht wird es Zeit für einen Generationenwechsel in Politik und Verwaltung.

2 Gedanken zu „Und ewig grüßt das Instrumentenlandesystem“

  1. Zu all dem Ungewissen stellt sich mir allerdings auch die Frage, welcher geniale Verkäufer der Stadt und den fotokulissengeilen Politikern ein CAT II System verkauft hat? So einen würde ich auch gerne als Vertriebler einstellen, denn schaut man sich einmal die statistische Anzahl Stunden im Jahr mit CAT II Wetterlagen an, die nicht CAT I oder gleich CAT III sind, dann stellt sich die Frage – wozu hat man sich den Mist aufschwatzen lassen?

Kommentare sind geschlossen.