Waahnsinn! Es ist erreicht!

Lediglich neun Jahre nach seiner Anschaffung, zweieinhalb Jahre nach seiner Installation kann das neue Instrumentenlandesystem jetzt wie geplant genutzt werden. Hurra!

Wie die Landewiese mitteilte, ist

[b]ereits seit dem 6. Februar 2014 … das Instrumentenlandesystem der Kategorie II (ILS CAT II) betriebsbereit und konnte gestern nun dazu beitragen, dass zwei Business-Jets nicht ausweichen mussten, sondern planmäßig am Lübeck Airport landen konnten.

Zehn Millionen Euro oder mehr, vom Steuerzahler aufgebracht, damit ab und an Business-Jets nicht nach Hamburg oder sonstwo ausweichen müssen? Übers Jahr gerechnet werden es vielleicht 20 [eher weniger; siehe Nachtrag unten]. Aber dröseln wir das mal von Anfang an auf.

Die hiesige Monopolpresse reißt wie folgt an:

Vor neun Jahren schaffte sich der Flughafen das ILS-CAT II an, durfte es aber jahrelang nicht einbauen.

Da sich der Artikel hinter einer Paywall befindet, kann ich ihn derzeit nicht kommentieren. Ich hoffe aber, daß in ihm erklärt wird, warum das so war: man hat seinerzeit den weitgehend überflüssigen Krempel gekauft, ohne im Besitz einer Genehmigung für den Einbau und die Inbetriebnahme zu sein. [Nachtrag: das ganze ILS-Unternehmen wurde im Jahr 2005 gerichtlich gestoppt; siehe z.B. LN vom vom 26.10.2005. Wird im Artikel natürlich nicht erklärt.]

Man hatte sich das wohl so vorgestellt, wie es damals eigentlich immer lief: wozu Genehmigungen einholen? Wir machen das so, und hinterher wird‘s eben abgenickt. Zumal ja auch Landespolitiker schon für die Anschaffung kräftig Geld zugeschossen hatten.

Oh ja, auch unter Rot-Grün im Land funktionierte die Geldverbrennung am Flughafen Lübeck ganz vorzüglich! Man mußte bloß auf jede noch so unsinnige Flughafen-Investition nur ein Etikett draufkleben, auf dem „Sicherheitsmaßnahme“ stand. Da sind die Grünen vor der selbsternannten Infrastruktur-Partei SPD und ihren Beton-Bonzen komplett eingeknickt – oder sie wußten es wirklich nicht besser. (Beide Varianten sind für die Grünen allerdings wenig schmeichelhaft.)

Unter CDU-geführten Landesregierungen war nicht mal mehr dieser Zirkus nötig; so wurde der Aufbau des ILS aus den Fördertöpfen

des Zukunftsprogramms Wirtschaft (ZPW) aus Mitteln der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ großzügig teilfinanziert,

so die Pressemitteilung der Landewiese. Nachdem die ganze Sache nunmehr gegessen ist, kann man auch den Sicherheits-Tarnanzug ablegen. Theoretisch korrekt vermeldet die Landewiese:

Durch die Erhöhung der Kategorie des Instrumentenlandesystems kann LBC auch bei schlechteren Wetterverhältnissen wie Nebellagen, schlechte Sichten oder tiefliegenden Wolken durch Flugzeuge, die nach Instrumentenflugregeln navigieren, angeflogen werden. Dies betrifft u. a. die Linienflieger und führt so zu einer besseren Planbarkeit und Zuverlässigkeit innerhalb der Fluggesellschaft.

Um nichts anderes ging es all die Zeit, und schon gar nicht um „Flugsicherheit“, wie aus politischen Gründen immer wieder fälschlich kolportiert wurde. (Alle anderen Landeverfahren sind nämlich ebenso sicher, solange man sich an sie hält.) Und es ging auch nicht um die regionale Wirtschaftsstruktur, wie sich das CDU und FDP zurechtgebogen haben.

Worum ging es wirklich? Darum, den (keineswegs in der Region ansässigen) Hauptkunden Ryanair bei Laune zu halten – ohne daß das bis heute irgendwelche greifbaren Ergebnisse gezeitigt hätte. Im Gegenteil. Der „Ausbau Light“ ist jetzt durch, doch die Landewiese steht nach Passagierzahlen schlechter da als in den letzten zehn Jahren.

Nur theoretisch korrekt ist die Aussage zur Verbesserung der Betriebssicherheit übrigens, weil ein neues ILS in der anderen Betriebsrichtung technisch mehr Sinn gemacht hätte, oder eines in beiden Betriebsrichtungen (wie ursprünglich geplant).

So oder so ist das ganze wirtschaftlicher Unsinn; eine Multi-Millionen-Investition, von der lediglich einige ausländische Fluggesellschaften profitieren. Bei Nebellagen, die lediglich an einigen wenigen Tagen im Jahr auftreten. Was denn noch – jeder Billigflugmaschine einen roten Teppich ausrollen? Die Flugzeuge von Hand abstauben?

Nochmal: die ganze Veranstaltung hat der Steuerzahler komplett bezahlt, wobei die Gesamtkosten inklusive Nacharbeiten der letzten zwei Jahre vermutlich nie veröffentlicht werden – der Großteil stammt vom Land, der Rest von der Hansestadt Lübeck, die immer noch Eigentümer des ILS ist und auch für den Betrieb aufkommen muß.

Zwar hat der Flughafenbetreiber, der das ILS von der Hansestadt pachtet, mal angekündigt, für Nacharbeiten, Vermessungsflüge usw. aufkommen zu wollen. Rechtlich verbindlich ist so eine Zusage vermutlich nicht, es sei denn, sie steht in einem der Verschenkungs- oder Verpachtungsverträge, aber die kennt ja keiner.

Tolle Verträge

Wie unglaublich geschickt (ha, ha) die lübsche Verwaltung in der Aushandlung von Verträgen mit privaten Betreibern ist, zeigt sich am Herrentunnel, der inzwischen bundesweit als ein komplett gescheitertes Projekt einer „Öffentlich-Privaten Partnerschaft“ gilt. Der scheidende Tunnel-Chef gab unlängst in der hiesigen Monopolpresse (LN, 27. Februar 2014, Lokalteil HL, S. 14) empört zum besten, er sei doch kein Zirkusdirektor, der auf die Wünsche der Stadt hören müsse:

„Liebe Stadt, wir haben einen Vertrag“…

sagt er dann immer. Aber den Vertrag kennt natürlich keine Sau, schon gar nicht die staunende städtische Öffentlichkeit, die sich mit einer ständig steigenden Tunnelmaut konfrontiert sieht. Dabei sei, so die LN, der Unterton der Tunnel-Chefs

der eines Onkels, der seinen ungezogenen Neffen zurechtweisen muß.

Und jetzt raten Sie mal, wann die Yasmina Flughafenmanagement GmbH der Stadt zum ersten Mal onkelhaft sagt, „lieber Neffe, wir haben einen Vertrag, hast Du den etwa nicht durchgelesen?“ In diesem Jahr, im nächsten? Das kommt, wann auch immer, jede Wette. Auch jene Verträge kennt die Öffentlichkeit bislang nicht.

Licht aus

Ohnehin scheint das Nacht- und Nebel-Problem, das das neue ILS angeblich lösen sollte, derzeit keines zu sein. Die Finanzlage schon. Wie schon mal erwähnt, hat die Landewiese ihren großen Parkplatz P3 geschlossen; dem Vernehmen nach, um Energiekosten für die Beleuchtung zu sparen. Tatsächlich sind die Lampen inzwischen alle aus, ebenso wird abends praktisch die komplette Vorfeld-Beleuchtung abgeschaltet. Nachts ist tote Hose – der letzte macht das Licht aus.

Eine Panik-Maßnahme? Aber nein. Wenn man jetzt einen guten PR-Experten hätte, würde der erklären, das seien natürlich Klimaschutzmaßnahmen, die der Vermeidung von CO2-Emissionen dienen… öche, öche.


Nachtrag vom 2. März 2014: Ehre wem Ehre gebühret; Lob der Lokalpresse: die Lübecker Nachrichten berichteten am 1. März 2014, daß Nebellagen im ganzen Jahr 2012 lediglich zwölf (12!) Landungen in Lübeck verhinderten – und daß der Flughafen für das Jahr 2013 gar keine Zahlen herausrücken will. Und dafür wurde ein womöglich zweistelliger Millionenbetrag aus dem Fenster geworfen? (Das allerdings fragen die LN natürlich wiederum nicht.)

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