Der Millionör hat‘s schwör

Ach herrje, wie aufregend!

Überzeugt von der großen Bedeutung des Lübecker Flughafens für die gesamte HanseBelt Region und darüber hinaus bis nach Dänemark zeigte sich Friederike C. Kühn, Präses der IHK zu Lübeck, bei einem Besuch des Airports.

HL-Live, 16. August 2013

Und ich habe neulich eine Uralt-Filmklamotte mit Peter Alexander mit dem Titel „So ein Millionär hat‘s schwer“ aus dem Jahr 1958 gesehen. Solche Filme erzeugen bei mir immer eine Mischung aus Faszination und wohligem Gruseln. Beides ist nicht besonders wichtig. Oder?

Aus dem Zeitalter der Fünfziger und Sechziger stammt wohl auch die Konditionierung der bundesdeutschen Öffentlichkeit, daß alles gut sei, was Unternehmen nutzt, schafften sie doch Arbeitsplätze. Und vielleicht hat diese Ansicht zu Zeiten des beschaulichen „rheinischen Kapitalismus“ in der BRD bis Ende der Achtziger auch eine gewisse Berechtigung gehabt.

Den „rheinischen Kapitalismus“ löste jedoch der entfesselte globale, neoliberale Turbokapitalismus ab; aus Arbeitsplätzen wurden Jobs – oft genug zeitlich begrenzt und/oder staatlich subventioniert („Aufstocker“). Ohne direkte und indirekte staatliche Subventionen ist kaum noch ein Unternehmen zur Schaffung von Arbeitsplätzen bereit, was zu einem Unterbietungswettbewerb von Gemeinden, Bundesländern, von ganzen Staaten geführt hat. Wieviel Geld dürfen wir Ihnen hinten reinstopfen?

Und natürlich geht jede gewerbesteuerreduzierte oder anderweitig subventionierte Ansiedlung in der Gemeinde X potentiell auf Kosten der Gemeinde Y, Sie schafft also in der Gesamtrechnung keineswegs neue Arbeitsplätze. Und das ganze Hin- und Herfahren (oder -fliegen) von Gütern, womöglich auch Arbeitskräften, zwischen Standorten erfolgt dann auch noch unter Inanspruchnahme öffentlich bezahlter Infrastruktur.

Die einzigen Gewinner sind die Unternehmen, die übrigens nicht daran denken, den Vorteil an die Beschäftigten weiterzugeben – anders kann man sich die Stagnation der Realeinkommen abhängig Beschäftigter kaum erklären.

Das IHK-Wunschkonzert

„Die Wirtschaft der Region wünscht sich eine Linienverbindung zu einem Luftverkehrskreuz in attraktiver Zeitlage morgens und abends“, ergänzte die Präses. Dies hätten Befragungen der IHK-Mitgliedsbetriebe immer wieder ergeben.

Ja, so ist das mit dem Wunschkonzert. Reiste die IHK etwa mit prall gefüllten Geldkoffern an, um eine solche Linienverbindung zu bezahlen? Der Artikel schweigt sich dazu aus. Ich nehme mal an: nein. Wenn sich so etwas rechnen würde: warum wird es nicht längst gemacht? Muß man denn die Unternehmen zum Gewinnmachen tragen? Sind die alle zu blöd, diese tolle Gelegenheit nicht schon längst erkannt zu haben? Dann sind sie wohl selbst schuld.

Wahrscheinlicher ist, daß man hier wieder Geld von anderen, sprich: der Allgemeinheit haben will. Wie immer. Einfacher und billiger wäre es natürlich, einen VIP-Shuttle-Service nach Hamburg-Fuhlsbüttel zu organisieren, aber da müßte man ja gleich mehrere Lokal- und Landesfürsten um Geld angehen. Und eine täglich auf der Strecke Lübeck-Hamburg verkehrende Flotte von Rolls-Royce-Limousinen ließe sich der Öffentlichkeit, die sie ja bezahlen soll, schlechter verkaufen als Flugzeuge.

Ein Gedanke zu „Der Millionör hat‘s schwör“

  1. Jetzt dreht sich das Fähnchen genau in die entgegen gesetzte Richtung. Musste vor der gefühlten Verschenkung – neudeutsch „erfolgreichen Privatisierung“ – noch die angebliche Bedeutung der Landewiese für die gesamte norddeutsche Tourismuswirtschaft als Rechtfertigung für das Versenken von Millionenbeträgen aus Steuergeldern im Flugplatz hochgelobt werden ( denn: Ohne Flughafen keine unendlichen Touristenströme aus dem Ausland in Lübeck 😉 ), argumentiert man nun fröhlich in die Gegenrichtung. „Hanse Markt“ schreibt: „ZUKUNFT Tourismus hilft Blankensee“. Und darunter: „Bringt der Tourismus neuen Auftrieb für den Lübecker Flughafen?“

    Sogar Geschäftsführer Friedel stimmt in den Gesang von Frau Kühn mit ein, dass jetzt der Entwicklung Lübecks als Tourismusort eine besondere Bedeutung zukäme.

    Das neue Aufgabenfeld der LTM sollte jetzt also mehr Fokus darauf legen, den Tourismusstandort so zu entwickeln, dass er stärker über den Luftweg und dann auch über die hiesige Landewiese anbereist wird, man muss dieser nämlich helfen.

    Der Flughafen will also die Krumen aufpicken, die bei einer Entwicklung Lübecks abfallen, nicht mehr umgekehrt, wie man früher glauben sollte, als man uns noch ins Hirn waschen wollte, dass Lübeck, nein, ganz Schleswig-Holstein, sogar auch Mecklenburg-Vorpommern und Dänemark touristisch und wirtschaftlich untergingen, wenn der Flughafen Lübeck nicht ausgebaut würde.

    Und wieder kann man nur betonen: Der Ostseeurlauber kommt zu über 80 % mit dem eigenen PKW angereist. Es gibt genügend Studien, die das belegen.

    Entweder hat der Flugplatz seine Berechtigung, weil er sich selbst trägt und aufgrund hoher Nachfrage weiterentwickelt oder eben nicht. In den letzten Jahrzehnten hat sich allerdings gezeigt: „Eben nicht“.

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