Kurzkritik: Begossene Polit-Pudel

Klatsch, peng. Klatsch, peng. Klatsch, peng. Die Protagonisten des Flughafens Lübeck können sich bei der Lektüre der „Gutachterlichen Vorarbeit zur Erstellung eines Norddeutschen Luftfahrtkonzepts“ auf einen Satz Ohrfeigen gefaßt machen, der locker für rote Ohren bis in den nächsten Winter hinein reicht. Alles, aber auch alles, was man der Öffentlichkeit bisher zu verkaufen suchte, war nichts weiter als (pardon) Dünnpfiff. Es wurde gelogen, daß sich die Balken bogen.

Nichts davon wurde wahr; nichts davon wird auch nur mittelfristig realisiert werden; und selbst langfristig ergeben sich keine echten Perspektiven. Etlichen Verantwortlichen – dem Lübecker Bürgermeister zuerst – würde man wünschen, aus diesem Desaster endlich Konsequenzen zu ziehen und zurückzutreten.

Vergangenheit

Der Lübecker Flughafen als Konkurrenz zu Hamburg-Fuhlsbüttel, so wurde er lange Jahre angepriesen. Als regionalökonomisch bedeutend, erst recht für den Lübeck-Tourismus. Als Wachstumsfaktor und Jobmotor. Als Bestandteil gar der kommunalen Daseinsvorsorge. Die Lübecker Großmannssucht kannte keine Grenzen. Man war Nabel der Luftfahrtwelt.

Die neue Studie faltet den Lübschen Flughafen-Tiger nicht etwa nur auf das Format eines Bettvorlegers, sondern auf das eines benutzten und zerknüllten Tempo-Taschentuchs zurück. Derzeit wird er nicht wirklich gebraucht; fährt Verluste ein, ohne dabei der Daseinsvorsorge der Stadt oder auch nur des Landes zu dienen; ist für den Tourismus in der Region eher unbedeutend; kann Hamburg keinerlei Konkurrenz machen, wird im Gegenteil eher durch die Nähe des großen Konkurrenten benachteiligt (Stichwort Verkehrsschatten).

Leser dieses Blogs dürfte das wenig überraschen, eher schon die Tatsache, daß sich diese Fakten auch bis in die Firma Uniconsult (die die Studie erstellt hat) herumgesprochen haben.

Zukunft

Man hätte von einem norddeutschen Luftverkehrskonzept erwarten können, daß sinnvolle Alternativen angeboten werden wie die Schließung unrentabler Flughäfen. Nichts da, stattdessen kleckert Uniconsult (wie wohl von den Auftraggebern gewünscht) Wohlwollen über alle existierenden Flughäfen. Jeder wird irgendwie gebraucht, so die (von den Landesfürsten vermutlich erwünschte) Botschaft.

Im Falle Lübeck fällt das allerdings extrem mager aus. So ab 2025 oder 2030 könnten in Hamburg Kapazitätsengpässe auftreten, aber selbst dann nicht dauerhaft, sondern nur zu bestimmten Zeiten. Da könnte Lübeck dann temporär als „Überlauf“ dienen. Selbst das klingt nicht wie ein besonders profitables Geschäftsmodell.

Ein solches bietet Uniconsult dann auch gar nicht erst an, weder für die Überwinterungszeit bis 2030 noch für die Zeit danach. Wer das bezahlen soll, wird ohnehin offen gelassen.

Uniconsult

Das Unternehmen ist Kennern der Szene wohlbekannt. Im Auftrag des Flughafen Lübeck hat es z.B. 2007 eine „Regionalökonomische Studie“ abgeliefert, die sich ganz anders liest als das, was man jetzt von sich gibt. Im Jahr 2005 lieferte die Firma ein Bericht namens „Entwicklungsperspektiven der Flughäfen der Länder Schleswig-Holstein und Hamburg“ ab. Außerdem liegt aus dem Jahr 2001 eine „Potentialanalyse“ vor, wieder im Auftrag des Lübecker Flughafens erstellt – und deren Prognosen waren noch absurder. Ein Vergleich dieser Machwerke wäre reizvoll.

Natürlich hat Uniconsult nie wirklich falsch gelegen; stets hat man sich mit „wenn und aber“ abgesichert. Nur kommt das bei Politikern und erst recht in der Öffentlichkeit nicht an, es wurde nur gejubelt.

Erhebliche Zweifel kommen trotzdem auf an der Kompetenz von Uniconsult, wenn man deren Gutachten über die Jahre vergleicht. So wird im aktuellen Papier die geplante Überwinterung der Lübecker Landewiese allein damit begründet, daß (vielleicht – man kann das ja nicht vorhersagen!) in Hamburg mal Kapazitätsengpässe auftreten könnten. Da wäre Lübeck doch viel günstiger als ein neuer Flughafen in Kaltenkirchen, den Uniconsult jetzt plötzlich für tot erklärt.

Komisch. Noch 2007 stellte Uniconsult fest:

Demnach soll die Option eines Großflughafens Kaltenkirchen aus politischer Sicht nach wie vor offen gehalten werden, um das Erweiterungspotenzial des Wirtschaftsraumes nicht an das begrenzte Erweiterungspotenzial des Hamburger Flughafens zu koppeln.

Wieder mal sind die Gutachter fein raus, berufen sie sich doch heute wie damals auf die „politische Sicht“. Nur: wozu braucht man angeblich unabhängige Gutachten, die bloß papageienhaft die ständig wechselnden Ansichten der Politiker nachplappern?

Das, zugegeben, muß man die Politiker fragen, die diese Papageien-Studien für teures Geld in Auftrag geben – um sie dann der Öffentlichkeit wider besseres Wissen als „wissenschaftliche Gutachten“ zu verkaufen. Da beißt sich der Schwanz in den Hund.

Ach so: in der neuesten Uniconsult-Studie wird angemerkt, daß zu Detailfragen noch wesentlich mehr Studien vonnöten wären. Wer die wohl erstellen soll…?

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