Montagsinterview: Drop-Off-Konzept rettet den Lübecker Airport

WARNUNG: SATIRE

Der Lübecker Fehlanzeiger im Gespräch mit Bürgermeister Bernd Saxe und dem neuen Flughafenbeauftragten, Prof. Dirk Jens Nonnenmacher – geballter wirtschaftlicher Sachverstand im Interview.

LF: Mit einem neuen Konzept, das auch andere Flughäfen interessieren dürfte, wollen Sie es in wenigen Monaten schaffen, den Flughafen in die schwarzen Zahlen zu steuern. Was war Ihr Ausgangspunkt?

Saxe: Das war sicherlich das Take-Off-Konzept, an dem mitzuarbeiten ich das Vergnügen hatte. Es hat sich dann allerdings herausgestellt, daß einige Parameter noch nachjustiert werden mußten…

LF: Und dann haben Sie sich entschieden, externen Sachverstand heranzuziehen.

Saxe: Genau. Zum Glück konnten wir mit Herrn Prof. Nonnenmacher von der HSH Nordbank einen echten Sanierungsexperten als neuen Flughafenbeauftragten gewinnen.

LF: Der aber bislang als Experte für Flughäfen bisher nicht in Erscheinung getreten ist.

Saxe: Das war Absicht. Wir brauchten jemanden, der unser Geschäftsmodell völlig unvoreingenommen auf den Prüfstand stellt. Und das hat er dann auch getan.

LF: Was kam dabei heraus?

Nonnenmacher: Daß eigentlich alles stimmte bis auf einen Störfaktor, der den Flughafenbetrieb unnötigerweise belastete.

LF: Und der wäre?

Nonnenmacher: Natürlich die Passagiere.

LF: Inwiefern?

Nonnenmacher: Je mehr Passagiere abgefertigt wurden, desto größer wurden die Verluste. Da lag der Hase im Pfeffer.

LF: Und Ihre Lösung?

Nonnenmacher: Konsequente Passagiervermeidung.

Saxe: Prof. Nonnenmachers Drop-Off-Konzept ist zielgerichtet auf den schlanken, effizienten Betrieb des Flughafens zugeschnitten und verzichtet auf überflüssiges Beiwerk wie Passagiere.

LF: Drop-Off-Konzept?

Saxe: Ja. Das ist Englisch und heißt, daß wir die Passagiere rausschmeißen wollen.

Nonnenmacher: Übrigens haben wir da bei Ryanair offene Türen eingerannt. Deren Boß Michael O’Leary sagt immer, so sehr er die Fliegerei liebe, so sehr störten ihn Passagiere und der damit verbundene Aufwand. Außerdem würden die sich dauernd über Kleinigkeiten beschweren.

LF: Verstehe ich Sie richtig – sie wollen den gesamten Flugbetrieb einstellen?

Saxe (lacht): Aber ganz im Gegenteil. Es wird weiter geflogen, nur eben ohne Passagiere.

LF: Das müssen Sie erklären.

Nonnenmacher: Ryanair fliegt leer. Das spart Treibstoff und wertvolle Abfertigungszeit am Boden. Landen, starten, tschüß.

Saxe: Wir sparen dadurch ebenfalls Geld, zum Beispiel für ein neues Passagier-Terminal, das jetzt nicht mehr erforderlich ist.

LF: Und wie kommt Ryanair auf deren Kosten?

Saxe: Wir zahlen natürlich einen Leerflugzuschuß pro Flug, um deren fehlende Einnahmen auszugleichen. Das rechnet sich für uns trotzdem.

LF: Macht es Sinn, leere Flugzeuge hin- und herfliegen zu lassen?

Nonnenmacher: Selbstverständlich. Die Ansicht, daß Fluglinien Passagiere von A nach B befördern, stammt aus dem letzten Jahrtausend. Es zählt nur, was unterm Strich steht. Egal, wen oder was man befördert. Und wenn es nur Luft ist. Denken Sie an die regionalökonomischen Effekte, an die Arbeitsplätze.

LF: Stichwort: was ist mit den Arbeitsplätzen am Flughafen? Müßten Sie da nicht ebenfalls einsparen?

Saxe: Gerade die Arbeitsplätze genießen im Drop-Off-Konzept allerhöchste Priorität. Niemand wird entlassen. Allenfalls werden bisherige Mitarbeiter in anderen Aufgabenfeldern eingesetzt.

LF: Wie das?

Saxe: Das haben wir auch in unserem Konzept berücksichtigt; es ist sogar ein wesentlicher bilanzgestaltender Finanzierungsfaktor.

Nonnenmacher: Wie Sie wissen, stammten erhebliche Nebeneinnahmen des Flughafens bislang aus Parkplatzgebühren, die mangels Passagieren jetzt wegfallen. Das Problem läßt sich sehr einfach dadurch lösen, daß Flughafenmitarbeiter, die bislang vornehmlich in der Passagier- und Gepäckabfertigung tätig waren, sich jetzt um die Parkplätze kümmern.

Saxe: In Zusammenarbeit mit den vor Ort vertretenen Autovermietern werden diese Mitarbeiter dort Kraftfahrzeuge mieten, auf den Parkplätzen abstellen und dafür die üblichen Parkgebühren entrichten.

LF: Und das Geld dafür zahlt die Stadt?

Saxe: Erstmal kommt das Geld sowohl den Autovermietern als auch dem Flughafen zugute, hat also einen doppelten regionalökonomischen Nutzen.

Nonnenmacher: Aber um Ihre Frage zu beantworten, die Stadt zahlt gar nichts. Sehen Sie: jeden Euro, den wir durch das Drop-Off-Konzept einsparen, geben wir wieder so aus, daß er zu uns als buchbare Einnahme zurückkommt.

LF: Genial.

Nonnenmacher: Natürlich. Was haben Sie von mir erwartet? Um es auf den Punkt zu bringen: jeden eingesparten Euro verzeichnen wir sofort wieder als Einnahme. Dann sind es schon zwei Euro.

Saxe: Und das kann man beliebig oft wiederholen. Toll, oder?

LF: Danke für das Gespräch.