Das Lübecker Taxiwunder von 2009

Der „flughafenpolitische Sprecher“ der „Bürger für Lübeck“, Jens-Olaf Teschke, verkündete am 28. November 2009 auf HL-Live im Stakkato-Stil eine wirtschaftliche Spitzenleistung des Flughafens „zum Innehalten: bisher 9.000 Taxifahrten 2009 knapp 500.000 € Steuereinnahmen“. Wo er die Zahlen her hatte, erwähnte Herr Teschke nicht. Mit Genehmigung des Autors, Jörg Konopatzki, hier dessen Antwort, die es verdient, nicht nur im HL-Live-Archiv zu schlummern, bis sie dort jemand zufällig findet.

Sehr geehrter Herr Teschke,

wie Sie mit 9.000 Taxifahrten 500.000 Euro Steuereinnahmen generieren wollen, müssten Sie hier vielleicht mal erklären.

Selbst wenn die Taxiunternehmen dem Spitzensteuersatz (47,475% inkl. Solidaritätszuschlag) unterliegen sollten, was ich stark bezweifle, wären hierfür ohne Abzug der Betriebskosten des Unternehmers Einnahmen von über 1 Mio. Euro erforderlich, wobei Sie sicherlich wissen, daß die Betriebskosten den größten Teil des Unternehmers ausmachen.

Insofern ist wohl davon auszugehen, daß eher 2 Mio. Euro an Fahrtkosten erwirtschaftet werden müssen. 2 Mio. geteilt durch 9.000 Fahrten = 222 Euro pro Fahrt! Wo sind die denn alle hingefahren? Für 50 Euro mit Ryanair fliegen und dann über 200 Euro fürs Taxi ausgeben?

So, und jetzt werde ich erst einmal innehalten, überlegen ob Ihre Zahlen vielleicht doch der Wahrheit entsprechen, und dann kaufe ich mir vielleicht auch ein Taxi.

Oh… ach so, vielleicht hat Herr Teschke es versäumt, in seiner atemlosen Begeisterung ein Komma oder etwas ähnliches zu setzen (der „Sprecher“ einer Bürgerschaftsgruppierung sollte eigentlich in der Lage sein, druckreif zu schreiben), und die „Steuereinnahmen“ von €500 000 beziehen sich nicht nur auf Taxifahrten. Wo die Zahl herkommt, wäre immer noch unklar – und in welchem Verhältnis sie zu dem Millionenschaden steht, den der Betrieb des Flughafens der Hansestadt Lübeck Jahr für Jahr verursacht.