Subventionen unter der Lupe: 300 € pro Lübeck-Tourist

In diesem Blog war kürzlich wiederholt von Flughafen-Subventionen die Rede, begleitet von einigen (zugegeben) recht oberflächlichen Berechnungen, denen etliche Annahmen und Schätzungen zugrunde lagen. Daher möchte ich hier eine Untersuchung zur Diskussion stellen, die sehr viel genauer an die Sache herangeht.

Sie erhebt nicht den Anspruch, eine wissenschaftliche Arbeit zu sein, aber auf jeden Fall den Anspruch, genauso ernst genommen zu werden wie die populären bzw. populistischen Berechnungen von Subventionen für Schwimmbadbesuche und Theaterkarten. Ergänzungen, Berichtungen und Kommentare sind natürlich immer willkommen.

Die Analyse ist zu umfangreich für diesen Blog und daher als PDF-Datei (mit Definitionen, Begriffsklärungen, Quellen etc.) herunterladbar.

Betrachtet werden drei Zeiträume: 1995-2000, 2001-März 2010, und April 2010 -2016. Die Begründung für diese Aufteilung findet sich ebenfalls in der PDF-Version.

Der mittlere Untersuchungszeitraum entspricht etwa der Ära Ryanair bis hin zum Bürgerentscheid, was ihn besonders interessant macht.

Das erstaunliche Ergebnis für diesen Zeitraum: jeder auswärtige Tourist, der Lübeck besuchte, wurde mit knapp 300 € (in Worten: dreihundert Euro) von Stadt und Land subventioniert, gab während seines Lübeck-Aufenthalts aber nur rund 200 € aus.

Selbst, wenn man die gezahlten Subventionen auf alle Flugpassagiere, unabhängig von ihrem Ziel, umlegt, kommt man immer noch auf 17,39 € pro Kopf. In der Klasse der Lübecker Schwimmbäder könnte der Flughafen also locker mitspielen.

Doch weder der auswärtige Tourist selbst noch die hiesige Tourismusbranche profitiert unterm Strich. Nutznießer sind die Fluggesellschaften, allen voran Ryanair. Und die sitzen im Ausland und zählen ihre Einnahmen.

Untersucht wird außerdem das offensichtlich von Teilen der Politik und der Verwaltung angestrebte „Weiterwursteln“ ohne Investor und Investitionen. Wie nicht anders zu erwarten war: besser wird’s nicht. Eine eine deutliche Steigerung der Passagierzahlen zeichnet sich nicht ab, dafür eine Steigerung der Verluste, denn es stehen alleine für die Instandhaltung der teilweise maroden Anlagen neue Ausgaben an.