Naturschutz oder GaLaBau?

 

Pegasus-Jet über der Grönauer Heide
Pegasus-Jet über der Grönauer Heide

Kleine Quizfrage: was auf diesem Foto gehört nicht in ein Naturschutzgebiet wie die Grönauer Heide, wo es im Sommer 2005 aufgenommen wurde? – Falsch geraten!

Der Jet (übrigens ein Charterflugzeug von Pegasus Airlines) ist es nicht. Echte „Naturschützer“ hätten die Antwort gewußt: der böse Strauch im Vordergrund ist es. Den gibt es vermutlich auch schon längst nicht mehr, weil er abgeholzt wurde.

Es war auch im Sommer 2005, als das Verwaltungsgericht Schleswig vorübergehend einen Baustop auf dem Flugplatz verhängte, und zwar als Reaktion auf eine Klage von NABU und BUND. Die professionellen „Naturschützer“ trompeteten damals heraus, sie hofften

sehr darauf, dass der Flughafen diese erneute deutliche Gerichtsentscheidung zum Anlass nimmt, sich zukünftig in der gebotenen Ernsthaftigkeit mit den Belangen der Anwohner und der Natur auseinanderzusetzen …

Wohlgemerkt in dieser Reihenfolge: Anwohner und Natur. Die Anwohner hatten angenommen, diese Ankündigung ernst nehmen zu dürfen, und wurden brutal verarscht bitter enttäuscht.

Denn wie so oft interessiert das Geschwätz von gestern niemanden, auch nicht die „Naturschützer“. Nach Geheimverhandlungen mit dem Flughafen, die sich über ein Jahr hinzogen, gab man Anfang 2008 jeglichen Widerstand gegen den Ausbau auf – gegen Zahlung von €2,5 Mio., die für eine „naturnahe Entwicklung der Grönauer Heide“ rund um den Flugplatz verwendet werden sollten. Eine Hälfte hat der Flughafen bereits bezahlt; die andere Hälfte wird fällig, sobald Ausbaumaßnahmen im Rahmen des Planfeststellungsbeschlusses begonnen werden.

Wie so eine „naturnahe“ Entwicklung aussieht, hat man in der Gegend rund um den Flugplatz bereits sehen können. Da wurden Bäume abgesägt und Sträucher gerodet, um anschließend Schafe zum Grasen hindurchjagen zu können. (Und der Flughafen bedankt sich artig, weil er die Bäume sowieso irgendwann selbst mal gefällt hätte, weil sie doch in einer „Sicherheitszone“ wüchsen.) Demnächst soll auch noch „entkusselt“ werden:

Bei der Entkusselung oder dem Entkusseln wird mit Spaten oder Motorsägen der aufkommende Gehölzaufwuchs, meist aus Pionierbaumarten wie Kiefer oder Birke entfernt.

Das hört sich mehr nach Garten- und Landschaftsbau an als nach Umweltschutz; erst recht, wenn man bedenkt, daß der Betrieb des Flughafens in keiner Weise eingeschränkt wird.

Mit anderen Worten: NABU, BUND und Konsorten kämpfen wacker gegen Bäume und Sträucher, aber nicht gegen laute und stinkende Flugzeuge. Nennt man das neuerdings Naturschutz? Wenn ja, würde ich einem dieser Vereine nicht beitreten wollen.

Aber immerhin, ein Beispiel aus „Frankfurt“-Hahn zeugt von einer gewissen Lernfähigkeit der „Naturschützer“. Ähnlich wie in Lübeck war dort (es ist ja so bequem und kusselig kuschelig!) mal wieder Kompromiß mit einem Flughafen angesagt. Dort verzichtete der BUND auf eine Klage gegen die Verlängerung einer Startbahn und bekam im Gegenzug die Zusage, daß statt 60 Hektar Wald nur noch 30 Hektar gerodet würden. Die verbleibenden Bäume mußten allerdings aus Gründen der Flugsicherheit gekappt werden, was auch geschah.

Nur leider unfachgemäß, obwohl das laut einem Bericht des Trierischen Volksfreunds (TV) unter Mitwirkung des BUND geschah. Resultat: Die meisten der Bäume, die erhalten werden sollten, sind inzwischen tot. Der BUND schiebt die Schuld teilweise auf unerwartete Stürme. Erwin Manz, Landesgeschäftsführer des BUND Rheinland-Pfalz, ist trotzdem unzufrieden: „Wenn wir das gewusst hätten, hätte es diese Einigung mit uns nicht gegeben.“ Tja, blöd gelaufen.

Bleibt abzuwarten, wann man ähnliche Stellungnahmen in Lübeck hört. Die Lübecker Nachrichten können sich als Vorlage schon mal den Kommentar des TV als Vorlage abspeichern:

Das war wohl nix. Was 2006 als Kompromiss gefeiert wurde, scheint sich zum Rohrkrepierer zu entwickeln. Wieder einmal schauen Menschen in die Röhre, wenn es um den Flughafen Hahn und den Ausgleich von Interessen geht. … Anscheinend lohnen sich Kompromisse nicht sonderlich, wenn es um den Flughafen geht.

Den letzten Satz sollten sich die professionellen „Naturschützer“ eingerahmt an die Wand nageln.