Das Land, in dem die Subventionszitronen blühen

Was ist der Unterschied zwischen einem seriösem Unternehmen, einem unseriösen Unternehmen und (igitt-igitt) Ryanair? Das seriöse Unternehmen zahlt Steuern, das unseriöse zahlt keine… und Ryanair läßt sich Steuern auszahlen. Europaweit.

Offenbar angeregt durch die jüngsten Vorkommnisse um den Flughafen „Barcelona“-Girona, hat sich die spanische Wirtschaftszeitung Expansión die Mühe gemacht, eine Übersicht über alle Flughäfen des Landes zusammenzustellen.

Kurzer Rückblick: Die Verantwortlichen in Girona hatten sich bereiterklärt, Ryanair bis zu 12 Millionen Euro pro Jahr zu zahlen statt bisher vier Millionen (7,5 Millionen Euro von der katalanischen Regierung, der Regionalverwaltung der Provinz Girona und der dortigen Handelskammer; hinzu kommen geschätzte 2,5 bis 3 Millionen indirekter Subventionen durch verminderte Gebühren für Ryanair an dem von einer staatlichen Gesellschaft betriebenen Flughafen; und für den Rest hofft man auf Unterstützung der regionalen Tourismusindustrie). Mehrleistung der Iren für die Verdoppelung bis Verdreifachung der Zahlungen: keine; lediglich eine Garantie des status quo.

Spitze des Eisbergs

Die Expansión-Recherche zeigt, daß es sich bei Girona nicht um einen Einzelfall handelt – der Subventionswahnsinn hat Methode, und einen Hauptbegünstigten. Die Zeitung hat sämtliche derzeit an spanischen Flughäfen gewährten Subventionen zusammengezählt, soweit sie bekannt sind (und vermutlich ist nur die Minderheit aller solcher Zahlungen öffentlich bekannt).

Trotzdem kommen schon in dieser Übersicht 91,5 Millionen Euro zusammen, von denen alleine 80,19 Millionen Euro auf (Trommelwirbel…) Ryanair entfallen (… und Tusch!). Und darin sind die kommenden Zahlungen aus Girona noch gar nicht enthalten.

Es handelt sich hierbei um die Gesamtsumme teils ein-, teils mehrjähriger Verträge. Umgerechnet auf das Jahr 2010 bleiben für Ryanair immer noch 19,98 Millionen Euro, die man an neun Flughäfen abkassiert.

Ähnliche Zahlen hörte man schon im März, als Air France für 2010 35 Millionen Euro an Subventionen für Ryanair in Frankreich errechnete – und 660 Millionen Euro europaweit.

Und das ist wohl nur die Spitze des Eisberg, denn dabei handelt es sich nur um direkte Zahlungen an Ryanair für (wie dürftig auch immer kaschierte) „Gegenleistungen“. Beispiel: Valencia zahlt Ryanair über drei Jahre 1,5 Millionen Euro für Werbung auf Flugzeugen, die bekanntlich tagsüber gerade ein paar mal für je 25 Minuten auf Flughäfen herumstehen und sich ansonsten in rund 13 Kilometern Höhe über dem Erdboden aufhalten. Das Geld könnte man, wenn man es mit der Werbung denn ernst meinte, wesentlich besser ausgeben.

Die Steuer-Schleuder dreht sich weiter

Selbst die detailliertesten Studien berücksichtigen bisher außerdem nicht die Gelder, die zwar nicht direkt an Ryanair fließen, stattdessen aber in Kleinstflughäfen wie Lübeck-Blankensee gepumpt werden, um die irische Fluggesellschaft – hier wie andernorts der „Hauptkunde“ – bei Laune zu halten.

Darauf weist die Lufthansa in ihrem neuesten Politikbrief hin und nennt einige bisher in Provinzflughäfen versenkte Summen: „Frankfurt“-Hahn 120 Millionen, „Hamburg“-Lübeck 60 Millionen, Altenburg 17 Millionen Euro. Immerhin sieht es so aus, daß beim letztgenannten Rollfeld bald der Stecker gezogen wird, bevor noch mehr Steuergelder sinnlos verpuffen.

Anders in Cochstedt, das demnächst zur allgemeinen Verwunderung (trotz der bösen Luftverkehrsabgabe in Deutschland) von Ryanair angeflogen werden soll. Mein Kommentar, irgendein Lokal- oder Provinzfürst habe da wohl seine Steuerschatulle geöffnet, ist laut Lufthansa zutreffend: 60 Millionen Euro deutscher Steuermittel sind dort schon geflossen, ohne daß Ryanair bisher auch nur einmal gelandet wäre.

Und jetzt die (absehbare) Pointe

Aber natürlich zahlt Ryanair auch Steuern, wenngleich in Irland, mag der letzte Verteidiger der Subventionsheuschrecke haareraufend ausrufen. Irrtum. The Irish Independent berichtete im Juni 2010:

Michael O’Leary’s Ryanair effectively paid no corporate tax in its 2009 financial year, despite generating record sales of nearly €3bn. The low-cost airline — now Europe’s biggest — ended up with a €1.5m tax refund, more than cancelling out the modest €425,000 it owed in taxes at year end, according to expert analysis of its financial statements …

Zusammenfassung: Ryanair zahlte bei einem Umsatz von fast 3 Milliarden Euro gerade mal 425,000 Euro an Körperschaftssteuer und erhielt sogar noch eine Rückerstattung von 1,5 Millionen Euro. (Na gut, so richtig überraschen kann das jetzt auch nicht mehr. Eine derartige Steuerpolitik erklärt vielleicht, warum ein Irr-Land wie Irland unter den EU-Rettungsschirm flüchten muß, den die europäische Allgemeinheit aufspannen darf.)

Die Frage sei gestattet, ob der von der Allgemeinheit zu leistende finanzielle Aufwand gerechtfertigt ist, die Geiz-ist-Geil-Generation billigstmöglich von einem künstlich am Leben gehaltenen Flughafen zum anderen zu befördern, und dabei noch Ryanair-Aktionären die Geldspeicher vollzutanken.